Ser – die Anrede, geschlechtsneutral
geschlechtsneutrale Anrede der deutschen Sprache, neben „Herr“ und „Frau“
- Wortart
- Anrede (Substantiv, Neutrum)
- Aussprache
- [sɛʁ] – reimt sich auf „wer“ und „der“
- Herkunft
- Kofferwort aus den Pronomen Sie und Er
- Eingeführt
- 2026, durch das Projekt ser-anrede.de
Bedeutung
Ser bezeichnet im Deutschen eine geschlechtsneutrale Anrede, die anstelle von „Herr“ oder „Frau“ vor dem Nachnamen verwendet wird. Die Anrede Ser richtet sich an Personen, die sich weder als männlich noch als weiblich verorten – etwa nichtbinäre, agender, genderfluide oder intergeschlechtliche Menschen – sowie an alle, die eine neutrale Ansprache bevorzugen.
Das Wort entsteht als Verschmelzung der beiden Pronomen Sie und Er; das gemeinsame „e“ bildet die Mitte. Ser wird grammatisch als Neutrum behandelt, die formelle Briefanrede lautet daher „Sehr geehrtes Ser“.
Verwendung und Beispiele
Ser steht – wie „Herr“ und „Frau“ – unmittelbar vor dem Nachnamen und wird nicht allein als Titel geführt.
Grammatik
| Kontext | männlich | weiblich | neutral |
|---|---|---|---|
| Anrede | Herr | Frau | Ser |
| formelle Briefanrede | Sehr geehrter | Sehr geehrte | Sehr geehrtes |
| informelle Anrede | Lieber | Liebe | Liebes |
Die neutrale Endung „-es“ ergibt sich aus der Behandlung von Ser als Neutrum: weder die weibliche Form („-e“) noch die männliche („-er“) trifft zu.
Abgrenzung
Die deutsche Anrede Ser ist nicht zu verwechseln mit:
- der englischen Höflichkeitsanrede „Sir“ – diese ist ausschließlich männlich;
- dem Rittertitel „Ser“ aus George R. R. Martins Game of Thrones („Das Lied von Eis und Feuer“) – ein fiktiver Titel für (geadelte) Männer;
- dem spanischen und portugiesischen Verb ser („sein“).
Von allen dreien ist die deutsche Anrede Ser unabhängig: Sie ist ausschließlich als geschlechtsneutrale Anrede der deutschen Sprache zu verstehen.
Rechtlicher Kontext
Seit dem 1. November 2024 können Personen in Deutschland nach dem Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) ihren Geschlechtseintrag per Erklärung beim Standesamt ändern; neben „männlich“ und „weiblich“ stehen „divers“ und „kein Eintrag“ offen. Bereits 2017 hatte das Bundesverfassungsgericht klargestellt, dass auch Menschen jenseits der binären Geschlechterordnung in ihrer geschlechtlichen Identität geschützt sind (Beschluss vom 10. Oktober 2017, 1 BvR 2019/16). Eine gesetzlich festgelegte Anrede für diese Personengruppe existiert bislang nicht – die Anrede Ser ist ein Vorschlag, der diese Lücke schließt.
Verbreitung
Im Zensus 2022 waren in Deutschland 969 Personen mit dem Geschlechtseintrag „divers“ und 1.259 Personen ohne Geschlechtsangabe erfasst. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden nach Inkrafttreten des SBGG allein 2024 rund 10.600 und von Januar bis November 2025 weitere rund 15.100 Änderungen des Geschlechtseintrags erklärt.
Quellen und Weblinks
- ser-anrede.de – Projektseite zur Anrede Ser (Herleitung, Beispiele, Rechts-Guide)
- Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) – Gesetzestext bei gesetze-im-internet.de
- Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 10. Oktober 2017 – 1 BvR 2019/16 („Dritte Option“)
- Statistisches Bundesamt (Destatis) – Zensus 2022 und Statistiken zu Änderungen des Geschlechtseintrags
- Antidiskriminierungsstelle des Bundes